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Tot geschlagen - Tot geschwiegen - den homosexuellen Opfern des Nationalsozialismus

Die Homosexuellen Opfer wurden nach 1945 totgeschwiegen, die Anerkennung als Opfergruppe des Nationalsozialismus blieb ihnen verwehrt. Von einer Rehabilitierung ganz zu schweigen.

Rosa Winkel - Gedenktafel in der Gedenkstätte DachauDie KZ-Gedenkstätten in Deutschland (DDR und BRD) weigerten sich, der Opfergruppe der Homosexuellen (Rosa Winkel) wenigstens eine Gedenktafel zu widmen. Weil das Internationale Lagerkomitee Dachau 1985 die Aufstellung eines Gedenksteines im öffentlichen Raum verweigert hat musste er bis 1995 in der Evangelischen Versöhnungskirche in der Gedenkstätte aufgestellt werden.

Der Westberliner Schwulenaktivist Detlef Mücke erinnert sich an eine Kranzniederlegung am 27. Juni 1985 in Sachsenhausen. „Anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus sollte im Rahmen des „Christopher Street Day“ (CSD) an die ehemaligen Rosa-Winkel-Häftlinge erinnert werden. Aus diesem Grunde hat das »Kommunikations- und Beratungszentrum homosexueller Frauen und Männer e.V. in Berlin (West)« zu einer Kranzniederlegung in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen (NMuG - DDR, Oranienburg) eingeladen.

Die Teilnehmer aus Westberlin mussten selbst einen „Antrag auf Einreise in die DDR“ in einem „Büro für Besuchs- und Reiseangelegenheiten“ stellen. Auf dem Programm standen eine angemeldete Führung durch die NMuG, eine Kranzniederlegung für die Rosa-Winkel-Häftlinge, der Dokumentarfilm „Todeslager Sachsenhausen“, ein Vortrag von Joachim Müller „Zur Situation der Homosexuellen in den Konzentrationslagern“ und eine Eintragung in das Besucherbuch. Die Schwulenaktivisten aus Westberlin wurden durch einen Mitarbeiter der NMuG geführt und begleitet. „Herr Meister, war ein dem Thema aufgeschlossener und gesprächsbereiter Begleiter. Das sehr ansprechende, geschmackvolle Gebinde, das durch die päd. Abteilung besorgt worden war, eine Schleife trug, die auf der ‚Absenderseite‘ war unbedruckt war, hat allerdings zu einem Mißklang geführt.“ Dazu noch einmal Detlef Mücke: „Die rote Schleife mit der Aufschrift „DIE OPFER MAHNEN UNS / TREFFEN DER BERLINER SCHWULENGRUPPEN“ hatte ich in einem Blumenladen in West-Berlin anfertigen lassen und in meiner Unterhose über den Grenzübergang Bahnhof  Friedrichstraße in die DDR „rüber geschmuggelt“, da uns bewusst war, dass eine derartige Schleife nicht in Ost-Berlin gefertigt werden konnte.“ Diese Schleife haben wir zusätzlich an das Gebinde befestigt aber sie wurde noch in unserer Anwesenheit entfernt“.

Kranzniederlegung am 6. Mai 1989

Der Gesprächskreis Homosexualität legte am 24. September 1988 erstmalig in der NMuG am ehemaligen Krematorium mit der Plastikgruppe vom DDR-Nationalpreisträger Prof. Waldemar Grzimek ("Station Z") für die homosexuellen KZ-Opfer einen Kranz und Blumen nieder.

Am 6. Mai 1989 aus Anlass des Tages der Befreiung vom Faschismus (8. Mai 1945) legten wir gemeinsam mit dem »Arbeitskreis der Bekenntnisgemeinde Berlin „Schwule in der Kirche“« und dem »Arbeitskreis homosexuelle Selbsthilfe der evangelischen Kirche« aus Brandenburg Blumen und Kränze. Seit dem erfolgt jährlich im Mai aus diesem Anlass ein Gedenken der homosexuellen Opfer in Sachsenhausen.
(Bildquelle: Potsdamer Kirche, 11.06.1989)

47 Jahre - nun nicht mehr länger totgeschwiegen

Die Tageszeitung „Neues Deutschland berichtet in ihrer Ausgabe vom 10. Juli 192: »Mitglieder der Schwulengruppe bei der PDS Berlin haben im KZ Sachsenhausen einen provisorischen rosa Gedenkwinkel mit der Aufschrift "Totgeschlagen - Totgeschwiegen - den schwulen Opfern von Sachsenhausen" für die vor 50 Jahren dort von den Nazis ermordeten 200 Rosa-Winkel-Häftlinge angebracht. Dabei waren auch Vertreter des Referats für gleichgeschlechtliche Lebensweise der Senatsverwaltung für Frauen, Jugend und Familie. Damit wird an eine Tradition der Schwulen- und Lesbenbewegung angeknüpft, die für das Anbringen von Gedenktafeln in Konzentrationslagern und anderen erinnerungswürdigen Stätten kämpft, um auf das Leid der durch die Nazis getöteten Homosexuellen aufmerksam zu machen. Die zunächst nur provisorischen Gedenkwinkel sollen später durch feste Gedenktafeln ersetzt werden.

Was die Zeitung nicht wusste. Peter Birmele bemühte sich bereits seit 21. Mai 1991 um die Errichtung einer Gedenktafel/Gedenkstein für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus. Die Landesregierung Brandenburg, die Gedenkstättenleitung und eine Expertenkommission vertraten die These, dass alle Opfergruppen zu berücksichtigen sind. Als neuer Ort des gemeinsamen Gedenken wurde das Gelände des Zellenhauses vorgeschlagen. Im Sommer 1992 wurde dort für eine Gedenktafel angebracht. Rechts und Links von dieser Tafel sollten weitere Gedenktafeln folgen.

Tafel gegen das Vergessen

Der Diplom-Bildhauer Stephan J. Möller aus Hohenbruch, Ldkrs. Oberhavel wurde im Juni 1992 von Peter Birmele mit dem Entwurf beauftragt. An den Entwürfen und Gestaltung hat Peter Birmele, als ausgezeichneter Buchhersteller, mitgewirkt. Die Firma Bätschmann, Fahrzeug- und Pavillonbau aus Henningsdorf übernahm die Ausführung der Arbeiten.

Endlich, am Totensonntag, 22. November 1992 wurde die Gedenktafel feierlich enthüllt. Über 150 Menschen nahmen an der feierlichen Enthüllung teil. Die Berliner Schwulenchöre „Männerminne“ und „Rosa Cavaliere“ trugen unter der Leitung von Thomas Noll mit Gesängen durchsetzt die Todesfuge von Paul Celan vor.

[Video: www.youtube.com/watch]

Unser Festredner Wilfried Rummler bezeichnete diesen Moment, die Enthüllung der Gedenktafel, als ein „Zeichen der Freude und der Dankbarkeit … Lesben und Schwule sind nicht nur Opfer, weil sie in den faschistischen Konzentrationslagern totgeschlagen wurden. Die Diskriminierung setzte sich nach dem Kriege fort, als sowohl DDR als auch Bundesrepublik diese Opfer totschwiegen“ … „Auch wurde an die besondere Situation der homosexuellen Häftlinge im Lager erinnert. Sie waren die „niedrigste Kaste“ und ausgegrenzt aus der Schreckensgemeinschaft. Viele mußten im Außenlager „Klinker“ schwerste körperliche Arbeit verrichten, nicht wenige gingen daran kaputt. Wieviel genau weiß niemand. Insgesamt wird die Zahl der Rosa-Winkel-Häftlinge in allen Lagern auf 15 000 geschätzt. (ND, 23.11.1992, S. 5) In der Liste der Toten der bisher namentlich bekannten Homosexuellen des KZ Sachenhausen werden durch Joachim Müller und Andreas Sternweiler (Schwules Museum Berlin) Namen von 315 Todesopfern aufgeführt.

Die zur Gedenkveranstaltung eingeladenen Vertreter der Brandenburgischen Landesregierung blieben der Veranstaltung fern.

Im Anschluss an die Einweihung der Gedenktafel luden der Arbeitskreis der Adventgemeinde und die Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) Berlin zu einem gottesdienstlichen Gedenken im Andachtsraum ein.

Liste der Toten & Stolpersteine der bisher namentlich bekannten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Die Ermordeten sollen nicht noch um das Einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht ihnen schenken kann – das Gedächtnis.
Theodor W. Adorno: »Eingriffe«

Die Namen der bekannten homosexuellen Opfer des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers des KZ Ravensbrück finden Sie auf:

Liste der Toten & Stolpersteine

In der Zwischenzeit sind mehr als 315 Namen bekannt. Die Liste wurde mit freundlicher Unterstützung u. a. von
Rainer Hoffschildt (Hannover, Verein zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen (VEHN) e.V.)
Jürgen Wenke (Rosa Strippe, Bochum)
Albert Knoll (München)
und weitere Helfer um Angaben zu Stolpersteinen, Leidensweg, ... ergänzt.

Wichtig erscheint uns die Namen der im Männerlager KZ Ravensbrück ermordeten schwuler Männer zu erforschen. Das KZ Ravensbrück war nicht nur ein Frauenlager. Anders als bei den Frauen, war die homosexuelle Veranlagung ausreichend um sie zu Verfolgen, sie in Gefängnissen und Zuchthäusern einzusperren, sie wurden Zwangssterilisiert, in den KZ's ermordet oder ...

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Letzte Änderung am: 06.11.2017